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Goslar

Zu DDR-Zeiten war Goslar zumindest für Westdeutsche vielfach die erste Anlaufstation bei ihrem Aufenthalt im Harz. Die Stadt in Niedersachsen mit ihren gut 40.000 Einwohnern versprüht tatsächlich einen ungeheuren Charme: Viele alte Gebäude und historische Einrichtungen legen Zeugnis ab von der langen Tradition, die man hier ganz bewusst pflegt. 

Daneben hat sich die Stadt aber den Anforderungen der Moderne keineswegs verschlossen. Bedeutende Betriebe haben sich hier angesiedelt, ein umfangreiches Schul- und Bildungssystem bringt Jugendliche und Erwachsene auf den neusten Wissensstand, und zahllose kulturelle Einrichtungen wie auch Veranstaltungen halten die Stadt lebendig. Gastronomische Einrichtungen unterschiedlichster Gattungen, viele Geschäfte und beste Beherbergungsbetriebe tragen zum Wohlbefinden auch der Touristen bei. 

Seine wirtschaftliche Glanzzeit erlebte Goslar ganz eindeutig im Mittelalter. Heinrich I. gründete die Stadt im Jahr 922 – Anlass dazu waren wohl die reichen Erzvorkommen in unmittelbarer Nähe. Als man gut 100 Jahre später auch Silberminen in Rammelsberg entdeckte, errichtete Heinrich II. die Kaiserpfalz Goslar, die sich in den Jahrzehnten danach zu einer der bedeutendsten Residenzen des ostfränkischen Reichs entwickelte. Nach diversen Kriegswirren kam Goslar durch den Wiener Kongress zum Königreich Hannover und verlor später mehr und mehr von seinem Einfluss. 

Im 19. Jahrhundert waren die Minen weitgehend erschöpft, was unweigerlich den Verfall der Stadt zur Folge hatte. Erst durch die Erschließung weiterer Erzvorkommen in Rammelsberg konnte Goslar zumindest teilweise wieder an den Ruhm früherer Zeiten anknüpfen. 

Für die Besucher von heute wird dieses vergangene Leben in zahlreichen Museen wieder lebendig. Aus dem bedeutenden Dom, der leider im 19. Jahrhundert völlig zerstört wurde, ist leider nur noch der romanische Krodoaltar im Goslarer Museum zu bewundern; außerdem gibt es hier das berühmte Goslarer Evangelium, das die Freunde der Buchkunst fasziniert. Im Zwinger befindet sich ein Museum mit Exponaten aus dem späten Mittelalter. Dieser Befestigungsturm ist jedoch auch für sich allein sehenswert. Er stammt aus dem Jahr 1517 und diente dem Schutz des Bergwerks Rammelsberg, das wegen seiner Einzigartigkeit zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde. Das Baumaterial, den Sandstein nämlich, vermengte man damals für eine bessere Konsistenz mit Ochsenblut, Ziegenmilch, Quark und Rosshaar – für heutige Maurer eine absurde Vorstellung! 

Zu den bedeutendsten Goslarer Bauwerken gehört ohne Zweifel die Kaiserpfalz. Obwohl das gesamte Gelände mit 340 auf 180 Metern eher bescheiden anmutet, handelt es sich um einen beeindruckenden Gebäudekomplex. Trotz etlicher Kriegswirren und verschiedener Katastrophen ist die Kaiserpfalz einer der am besten erhaltenen Profanbauten aus dem 11. Jahrhundert. Sie besteht aus mehreren, auch einzeln betrachtet imposanten Teilen. Der wichtigste ist das Kaiserhaus, ein großer Komplex mit zwei sehr hohen Etagen. Im Obergeschoss prangt der Kaiserthron – jeder Besucher kann sich auch heute noch gut vorstellen, wie einst die Herrscher hier Hof gehalten haben. 

Während die ehemalige Stiftskirche St. Simon und Judas, eine dreischiffige Basilika aus der Romanik, zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde, gibt es heute noch in der Kaiserpfalz die Domvorhalle zu besichtigen. Sie ist ganz in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten: ein typisches Bauwerk des 12. Jahrhunderts, dekoriert mit Skulpturen der Zeitgeschichte und aus der Bibel. Drei weitere Kirchen und ein Kuriengebäude aus ebenfalls derselben Entstehungszeit sind auf dem Kaiserpfalzgelände untergebracht. 

Wer sich mehr für Naturdenkmäler interessiert, ist beim Klusfelsen richtig. Dabei handelt es sich um ein rippenartiges Felsgebilde aus Sandstein mit 20 m Höhe und 50 m Länge. Aufgrund geologischer Verschiebungen kann man hier senkrecht angeordnete Gesteinsschichten erkennen. Es liegt auf der Hand, dass dieses Gebilde streng geschützt ist. 

Auch wer in Goslar kein direktes Ziel hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Denn ein Bummel durch die Altstadt mit ihren bildschönen alten Fachwerkhäusern lohnt allemal. Übrigens darf sich auch dieser historische Teil der insgesamt jung gebliebenen Stadt Weltkulturerbe nennen.

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