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Lustgarten in Wernigerode

Ein wunderschöner Anstieg von Wernigerode aus hinauf zum Schloss führt durch das Kastanienwäldchen und den Lustgarten. Diese Anlage entstand bereits im 16. Jahrhundert und war danach sehr stark dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen. 

So liebte man ab etwa 1700 zwar bei der Innenausstattung von Schlössern und Kirchen die üppigen barocken Ausformungen, bei Gärten legte man jedoch großen Wert auf klare Linien, wie sie die französischen Nachbarn bei ihren Parks bevorzugten. Bereits wenige Jahrzehnte später hieß es allenthalben „Zurück zur Natur!“, was für den Wernigeröder Lustgarten bedeutete, dass er sich ganz dem englischem Vorbild anpassen musste – also scheinbar ungezähmt und ganz natürlich, als habe niemals ein Mensch Hand daran gelegt. 

2006 schließlich investierte man erneut, weil man ihn anlässlich der Landesgartenschau von Sachsen-Anhalt in einem optimalen Zustand der Öffentlichkeit präsentieren wollte. 

Der Lustgarten liegt auf einer Terrasse unterhalb des Schlosses. Seit Graf Wolf Ernst zu Stolberg im Jahr 1589 die Grafschaft Wernigerode erhalten hatte, wollte er dort auch angemessen residieren. Wen wundert es da, dass er auch eine ansprechende Umgebung im Freien haben wollte? Der erste Regent verlegte sich jedoch mehr auf den Ausbau einer kostbaren Bibliothek, für die er ein Lusthaus mit Turm erbauen ließ, von dem jedoch nichts mehr erhalten ist. Aber immerhin veranlasste er auch, streng gegliederte Beete ringsum anzulegen und sogar einen Springbrunnen aufzubauen – der Anfang in der Entwicklung des Lustgartens war gemacht. 

Auch das erste Häuschen auf dem Gelände war später vielfältigen Veränderungen unterworfen. Nach und nach entstand ein pompöses Gebäude mit einem riesigen Festsaal für die gräflichen Gäste. Und wenig später errichtete der Graf die Orangerie, die allerdings im Laufe der Jahrhunderte ebenfalls großenteils anderen Zwecken diente. Denn schon ab 1728 war sie Treffpunkt der Wernigeröder Pietisten, die dort auch Emigranten und Obdachlose aufnahmen und verköstigten. 

Und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließlich lagerten die Grafen ihre inzwischen sehr beachtliche Bibliothek aus dem Schloss aus und brachten sie in der ehemaligen Orangerie unter, nachdem sie zuvor alle Pflanzen und leider auch die meisten Skulpturen versteigert hatten. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten privaten Sammlungen Deutschlands. 

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