Schiefes Haus in Wernigerode
Nicht erst heute muss man sich oft darüber beklagen, dass Einrichtungen, die dem Menschen dienen, ihm häufig auch zum Verhängnis werden. Bereits in vergangenen Jahrhunderten gab es diese Erscheinung. Ein besonders deutliches Beispiel findet man in Wernigerode: Das Schiefe Haus, direkt an einem früheren Mühlbach gelegen, war ursprünglich eine Teichmühle für die Tuchmacher des Ortes. Im Laufe der Zeit unterspülte der Bachlauf das Gebäude, sodass es sich neigte, bis die Grundmauern schließlich auf ein festes Fundament stießen. Die Schräglage ist enorm: Der Ostgiebel weicht stolze 120 cm von der Senkrechten ab.
Bereits aus dem Jahr 1356 gibt es ein Dokument mit der Erwähnung des heutigen Schiefen Hauses. Damals lautete die Adresse allerdings noch nicht Klint-, sondern Mühlengasse, und zwar in Anlehnung an den Verwendungszweck des Gebäudes. 1680 baute man es neu auf, und das allmähliche Abrutschen in die heutige Schräglage nahm seinen Lauf.
Die Besucher von heute müssen keine Gefahren fürchten – mittlerweile haben Statiker die Sicherheit überprüft. Inzwischen befindet sich im Keller des Schiefen Hauses ein Jugendclub. Vom Mühlengraben, also dem eigentlichen Verursacher der Attraktion, ist schon lange nichts mehr zu sehen.





