Wehrtürme in Wernigerode
Wer sich die politische Bedeutung Wernigerodes in den vergangenen Jahrhunderten vor Augen hält und zudem die wechselvolle Geschichte der Stadt betrachtet, weiß, dass damals eine starke Befestigung unbedingt notwendig war.
Die rundum verlaufende Stadtmauer war mit insgesamt 30 Wehrtürmen versehen, von denen man die feindliche Umgebung bestens beobachten konnte. Die gesamte Anlage stammt weitestgehend aus dem 13. Jahrhundert. Leider ist sie inzwischen nahezu vollständig verfallen, da die militärische Bedeutung in den Hintergrund rückte, man sich aber noch nicht auf den Wert historischer Bauten besonnen hatte.
Hinter dem Wallgraben von Wernigerode sind Teile der alten Stadtmauer erhalten, die man auch besteigen und begehen kann. Ein – allerdings rekonstruierter – Befestigungsturm ist in diesem Bereich zu besichtigen.
Auffallend ist die so genannte Halbschalenform: Nach außen ist der Turm halbrund gebogen, während das Innere zur Stadt hin offen gestaltet ist. Man rätselte lange über den Sinn dieser Bauweise. Die bessere Kontrollmöglichkeit der Wachposten durch die Obrigkeit mag ein Grund gewesen sein. Wahrscheinlicher ist aber, dass man auf diese Weise den potentiellen Eroberern die Möglichkeit nahm, in einem geschlossenen und gesicherten Gebäude Waffen zu lagern.
Der imposanteste Wehrturm in Wernigerode ist ohne Zweifel das Westerntor. Mit 41 Metern ist es der höchste noch erhaltene Wehrturm der Stadt. Er liegt am Ende der Fachwerkstraße westlich des Rathauses.
Weitere Wehrtürme befinden sich im Schlossgarten. Sie stammen allerdings aus dem späten 19. Jahrhundert, als Carl Fröhling die gesamte Anlage entwarf. Damals hatte man schon mehr Sinn für das Alte und Überlieferte und glaubte, mit den Türmen der gesamten Anlage einen besonderen Reiz zu verleihen. Und tatsächlich fügen sich diese Wehrtürme vortrefflich in das sehr ansprechende Konzept ein.





