Klippenwandertour um Wernigerode
Wer Wernigerode besucht, tut dies zum Teil deshalb, weil die bunte Stadt, wie Hermann Löns sie einst nannte, mit ihrer historischen Altstadt und den vielen Kulturdenkmälern zauberhafte Eindrücke hinterlässt. Allerdings hat auch die allernächste Umgebung sehr viel zu bieten. Hier kommen insbesondere Naturliebhaber und Wanderfreunde auf ihre Kosten.
Eine Besonderheit im Harz stellen die Klippen dar. Die darf man sich nicht so vorstellen wie die schroffen und zackigen Gesteinsstücke, wie man sie inmitten starker Brandung an mancher Steilküste kennt. Vielmehr sind die Klippen im Harz eher abgerundete und nur selten zackige Formationen, die sich aufgrund der Erdfaltung gebildet, und die dann durch Erosion oftmals eine ungewöhnliche Ausgestaltung angenommen haben.
Häufig handelt es sich bei den Harzer Klippen um mehrere, über- oder nebeneinander angeordnete Steinklötze. Allerdings sind auch einzelne Felsen zu finden. Mit ein wenig Phantasie kann man sie bestimmten realen Gebilden zuordnen. Da besonders im Harz die Sagenwelt reich ausgeschmückt ist, hat man einst für fast alle Klippen mindestens eine schöne Entstehungsgeschichte ersonnen.
Wie hingeworfen erscheinen etwa die Klötze der drei Kilometer langen Teufelsmauer bei Blankenburg. Sie sollen entstanden sein, als der Satan beim nicht ganz vollendeten Bau einer gigantischen Mauer in einem Wutanfall sein Werk mit einem gewaltigen Hieb selbst zertrümmert hat. Ein schöner Wanderweg führt an der Mauer vorbei und gewährt fantastische Ausblicke.
Direkt von Schierke aus erreicht man die Schnarcherklippen nach einem beeindruckenden Weg am Ufer der Kalten Bode entlang, der auch selber bereits von großen Felsbrocken gesäumt ist. Es handelt sich um zwei etwa 25 Meter hohe Felstürme, die in geringem Abstand voneinander stehen. Sie wirken kaum wie Naturdenkmäler, stammen jedoch keineswegs von Menschenhand. Der ungewöhnliche Name wurde von dem Geräusch hergeleitet, das der heftige Wind dort bisweilen verursacht.
Das gesamte Bodetal zwischen Treseburg und Thale gilt als die mit Abstand schönste Wandergegend im Harz. Und in der Tat bieten sich hier beeindruckende Schluchten in dichten Wäldern, und immer wieder kann man einen überwältigenden Ausblick genießen. Ein nur ca. drei Kilometer langer Weg führt zur legendären Rosstrappe. Durch den Friedenspark und weiter über den recht steilen Präsidentenweg führt die Strecke zu dem mehr als 400 Meter hohen Felsen, der eine großartige Aussicht erlaubt.
Ganz dicht an Wernigerode, nämlich ausgehend vom Ortsteil Hasserode, führt ein wunderschöner Weg entlang der Steinernen Renne, wie der Oberlauf der Holtemme hier heißt. Auf einer Höhe von 584 Metern thront ein kräftiger, 36 Meter hoher Felsblock, der Ottofelsen. Man kann ihn über eine steile, aber sichere Eisenleiter erklimmen.
Ein bisschen weiter, etwa 30 Autominuten von Wernigerode entfernt, liegen die Kästeklippen. In den Sommermonaten verkehrt ein Bus von Bad Harzburg aus. Aber echte Naturliebhaber erwandern sich die schöne Strecke. Am geeignetsten ist dazu die Kästestraße, von deren Asphaltierung früherer Zeiten jetzt nur noch Reste vorhanden sind. Und die Fußgänger werden wahrlich belohnt! Von der 602 Meter über dem Meer liegenden Aussichtsplattform der Käste hat man einen grandiose Ausblick bis hin zum Goslarer Sudmerberg.
Und auch die Gesteinsformationen selbst sind sehenswert. Eine hat Ähnlichkeit mit dem Gesicht eines alten Mannes und heißt daher Der Alte vom Berge. Eine andere, die Mausefalle, lässt Spekulationen freien Lauf: Ein riesiger Granitblock, nur gehalten von zwei weiteren und kleineren Felsen scheint eine derart labile Konstruktion zu sein, dass eine Maus, käme sie darunter hervor, das ganze Konstrukt zum Einsturz brächte.





